16 Feb 2010

TA07 – Religionsethnologie

Posted by Thomas Lohninger

Wie kann man eine fremde Religion begreifen?

Wie lassen sich Lebenswelten erfassen die außerhalb unserer Alltagsrealität sind?

Im Seminar von Veronika Futterknecht Schamanische Weltbilder und rituelles Heilen – etische und emische Forschungsansätze in der Religionsethnologie ging es genau darum.

Gemeinsam mit Priska Österle und Mireya Ladenberger versuchen wir der Faszination echter Felderfahrung in Heilritualen auf die Spur zu kommen. Wir haben viel über Veronikas Felderfahrung in Burma gesprochen, über die Schwierigkeiten im Zuge der Beschäftigung mit fremden Glaubenssystemen und der Vereinbarkeit von westlichen Forschungsansätzen zu spirituellen Systemen.

Literatur zu Qualitativer Religionsethnologie

  • Jean-Guy Goulet & David E. Young 1994: Being Changed by Cross-Cultural Encounters: The Anthropology of Extrodinary Experiences. Petersborough, Ontario: Broadway Press
  • Braud Anderson (Ed.) 1998: Transpersonal Research Methods for the Social Sciences: Honoring Human Experience. Sage Publications Ltd: London, UK
  • Koch-Göppert Gudrun 2007 Wissenschaftliches Arbeiten: Topographie der Bewusstseinszustände. LIT:Berlin (Seite 50)
  • Tart Charles T 1972: States of Consciousness and State-Specific Sciences. Science, Vol 176 1203-1210
  • Kremser Manfred 2002: “Am Anfang war das Ritual – Schematische Aufstellungsarbeit in indigenen Kulturen?” In: Gunni L. Baxa & Christine Essen & Astrid
  • Kremser Manfred 1998: “Von der Feldforschung zur Felderforschung” In: Wernhart, Zipps (Hg.): Ethnohistorie: Rekonstruktion und Kulturkritik Seite 135-133
  • Norretranders Tor 1994: Spüre die Welt: Die Wissenschaft des Bewusstseins. Hamburg: Rowohlt
  • www.alexgrey.com

Literatur zu Schamanismus

  • Uccusic Paul 2001: Der Schamane in uns. Schamanismus als neue Selbsterfahrung, Hilfe und Heilung. München: Hugendubel
  • Vitebsky Piers 1998: Schamanismus. München: Knaur
  • Kremser Manfred 2002: “Am Anfang war das Ritual – Schamanische Aufstellungsarbeit in indigenen Kulturen?” In: Gunni L. Baxa & Christine Essen & Astrid H. Kreszmeier (Hg.): Verkörperungen – Systematische Aufstellung, Körperarbeit und Ritual.. Heidelberg: Auer Seite 110-128
  • Schenk, Amelie & Christian Rätsch (Hg.) 1999: Was ist ein Schamane? Schamanen, Heiler, Medizinleute im Spiegel westlichen Denkens. Courage-Sonderband 13. Berlin VWB-Verlag
  • Eliade Mircea 1954: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik. Zürich: Rascher Verlag.
  • Harren Michael 1994: Der Weg des Schamanen. Ein praktischer Führer zu innerer Heilkraft. Genf: Ariston.

Verlinkungen

Folien aus dem Seminar

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One Response to “TA07 – Religionsethnologie”

  1. O je! Das ist ja keine Wissenschafterin, sondern eine Missionarin. Sie behauptet mit ihrer Methodik fremde religiöse Anschauungen Rituale etc. sowohl als objektive Forscherin mit intellektuellem wissenschaftlichem Instrumentarium untersuchen als auch gleichzeitig als spirituelles Wesen erleben und erfahren zu wollen. Aus Erfahrungen, die man in anderen Bewusstseinszuständen als dem normalen Wachbewusstsein macht, könne man eben auch Daten generieren, die sich wissenschaftlich untersuchen lassen. Dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden. Doch als die Studentin die Erfahrung, die sie bei einem Heilungsritual gemacht hat, einer kritischen Analyse unterziehen will und sich fragt, ob diese Erfahrung nun etwas anderes sei als ein gewöhnlicher Traum, unterbindet die Dozentin das sofort und fordert sie auf, sich doch einfach zu freuen, dass sie mit einem Waschbären getanzt habe. Als Heilungsuchende oder nach Erleuchtung Strebende sollte die Studentin vielleicht so handeln, doch als Wisschaftlerin sollte sie sehr wohl ihr inneres Erlebnis mit früheren inneren Erlebnissen vergleichen, nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten suchen. Die Frage, was Traum, Extase, Meditation, Hypnose, autogenes Training, drogeninduzierte Bewusstseinsveränderungen usw. voneinander unterscheidet und was sie vielleicht gemeinsam haben, diese Frage kann natürlich von verschiedenen Seiten angegangen werden, durch neurophysiologische Untersuchungen ebenso wie durch eigenes inneres Erleben. Aber wenn die Frage der Studentin, ob das, was sie erlebt hat, überhaupt mit dem Ritual, an dem sie teilgenommen hat, in kausalem Zusammenhang steht, nicht zugelassen wird, dann kann von Wissenschaftlichkeit keine Rede sein.
    Dass die Dozentin sich als Gläubige verhält und nicht als Wissenschaftlerin, geht schon aus ihrer Bemerkung über die angeblich belegte Wirksamkeit der Homöopathie hervor. Sie sollte doch über die großangelegten Metastudien zur Homöopathie Bescheid wissen, die eindrücklich zeigen, dass die Wirksamkeit der Homöopathie nicht größer ist als die von Placebos. Im einschlägigen Wikipedia-Artikel würde sie genügend Quellen dazu finden.
    Die Dozentin, die sich selbst attestiert, dass sie über keine medizinischen Kenntnisse verfügt, behauptet miterlebt zu haben, wie HIV-Infizierte und andere Schwerkranke binnen weniger Wochen immer gesünder und gesünder geworden sind. Mit welchen Methoden hat sie sich vergewissert, dass diese Menschen sich nicht einfach durch Hoffnung auf Heilung, durch neue, aufregende Erfahrungen halt vorübergehend besser gefühlt haben? Sie verrät es uns nicht.
    Desgleichen ihr Herangehen an die alchemischen Experimente, die sie miterlebt hat. Sie ist einfach nur dagestanden, hat sich gesagt dass sie keine wissenschaftliche Erklärung für das Geschehen hat, und hat es einfach genossen. – Nun ja, genau so geht es den Zuschauern einer Show von David Copperfield – Der Alchemist, der vor ihren Augen Gold aus Quecksilber gemacht hat, konnte nicht mit Tricks gearbeitet haben, weil sie ihn doch schon jahrelang kannte, weil das Ganze doch nicht mit Show verbunden war, weil keine Angeberei zu spüren war. Sie fragt sich gar nicht, ob es vielleicht noch andere Motive geben könnte, mit Methoden zu arbeiten, die wir als Zaubertrick klassifizieren würden. Ein gläubiger katholischer Priester, der in Neapel das Wunder der Blutverfüssigung vorführt, mag sich auch denken: “Ach ja, die Wissenschaftler wollen mir sagen, dass sich in dieser Phiole thixotropes Eisenhydroxid-Gel befindet, das flüssig wird, wenn man es schüttelt. Aber mein Glaube sagt mir, dass es gleichzeitig auch das Blut des heiligen Januarius ist, so wie die Hostie dem Augenschein nach ein Stück Brot ist und doch gleichzeitig der wahre Leib unseres Erlösers Jesus Christus, der vor zweitausend Jahren gestorben ist.”
    Der Schamane mag ein zynischer Betrüger sein oder er mag mit den Händen etwas vollführen, was physisch einem Zaubertrick gleichkommt, was für ihn aber Bestandteil des Rituals ist. Die Wissenschaftlerin aber muss beide Ebenen untersuchen. Und bevor sie behauptet, dass so ein Vorgang wissenschaftlich nicht erklärbar sei, sollte sie die Dokumente, die sie hat, nicht vielleicht einem Naturwissenschaftler vorlegen, sondern einem Zauberkünstler. Physiker und Chemiker waren die hilflosesten Opfer des Löffelbiegers Uri Geller, weil sie sich in die Denkweise eines Zauberkünstlers einfach nicht hineinversetzen konnten. Zauberkünstler konnten seine Effekte mit Leichtigkeit reproduzieren. Die philippinischen Geistheiler, die mit bloßen Fingern krankes Gewebe aus dem Leib ihrer Patienten holten, wurden auch nicht von Ärzten entlarvt, sondern vom österreichischen Weltmeister der Manipulation Magic Christian. Auch deren Patienten hatten nach der Behandlung angegeben, sich bedeutend besser zu fühlen.

     

    Martin Auer

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