4 Jun 2010

TA13 – Ethnomedizin

Posted by Thomas Lohninger

Dieses Interview entstand in der Flughafenambulanz in Wien-Schwechat mit dem Ethnomediziner Armin Prinz. Es war ein sehr reiches Gespräch an interessanten Infos, erschreckenden Geschichten und Einsichten wie viel Kultur in unserem Körper steckt.

Sendungsinhalt:

  • Aufgaben der Flughafenambulanz
  • Werdegang von Armin Prinz mit Feldforschung bei den Azande
  • Anthropologie und transkulturelle Kompetenz im Medizinstudium
  • Definition von Ethnomedizin
  • menschliche Universalismen in der Medizin
  • kulturgebundene Krankheitsdarstellungen
  • Armin Prinz Erfahrungen im Auftrag der WHO und Ärzte ohne Grenzen im Senegal
  • interdisziplinäres Zusammenspiel von Anthropologie und Medizin
  • Naturwissenschaftliche Sorgfaltspflicht in der Medizinethnographie
  • Intelectual-Property auf indigene Heilmethoden
  • Hochschulmedizin bereichern mit indigener Medizin
  • der soziale Status von Krankheiten

Liste an Fachbegriffen im Podcast:

  • 30:06 – Humanpassage = Wenn ein Virus von einem infizierten Menschen auf einen nächsten übergeht, diesen infiziert und dann wieder weiter zu einem anderen Menschen kommt, usw (durch die sich anhäufenden Fehler bei der Replikation, also Vermehrung, wird der Virus schwächer);
  • 30:42 – hämorrhagisches Fieber = Fieber mit Blutungen, die durch die fieberauslösende Infektion entstehen;
  • 43:20 – Curare = südamerikanisches Pfeilgift aus Pflanzen, als Muskelrelaxans eingesetzt;
  • 43:22 – Chinin = Substanz, die aus der Chinarinde gewonnen wird; wird heute noch zur Behandlung der Malaria tropica eingesetzt, ist aber relativ schlecht verträglich;
  • 43:29 – Physostigmin = Wirkstoff der Calabarbohnen, bei Ritualen in Afrika verwendet; wird u.a. bei erhöhtem Augeninnendruck (welcher Erblindungsgerahr birgt) angewendet;
  • 43:41 – Digitalis = Fingerhut = Herzglykosid; wird bei Herzinsuffizienz angewendet und verlängert die (Herz-) Muskelkontraktion;
  • 44:50 – Skelettmuskulatur = die Muskulatur, die man willentlich zur Bewegung ansteuern kann;
  • 48:00 – Rauwolfia serpentia/vomitoria = Schlangenwurz = Reserpin; wird heute als Blutdruckmittel verwendet, aber mit vielen Nebenwirkungen;
  • 1:00:07 – Stase = Stauung einer sonst bewegten Flüssigkeit (z.B.: Hämostase = Blutgerinnung)
  • 1:00:10 – Metastase = Krebszellen, die via Lymphe oder Blut woanders im Körper hingelangen, sich dort festsetzen und wachsen;
  • 1:01:00 – Membranpotential = Ladungsunterschied an der Zellmembran (Außenseite positiv, Innenseite negativ), der durch Ionen und Proteine zustande kommt; notwendig für die Erregbarkeit der Zellen;
  • 1:01:08 – Mediatoren = Signalmoleküle, die von Zellen produziert werden, um sich selbst oder andere Zellen zu stimulieren;
  • 1:02:57 – Antikörper sind aus Eiweiß aufgebaut, durch die Plasmapherese will man sie bei Autoimmunkrankheiten (wie alles Eiweiß) aus dem Blut loswerden;

Einige der über 120 Publikationen von Armin Prinz:

  • Armin Prinz. 1979. Die Ethnomedizin als interdisziplinäre Forschungsrichtung. Wiener Universitäts Verlag. Wien
  • Armin Prinz 1998. Über den Umgang mit Leichen bei fremden Völkern. in: Körper ohne Leben. Norbert Stefenel(Hrsg). Seite 136ff.
  • Prinz Armin. 2000. Schamanen als Clown-Doctors in: Theaterkunst & Heilkunst: Studien zu Theater und Anthropologie. Böhlau Verlag. Köln Weimar, Seite 195-209
  • Armin Prinz. 2001. Hygiene in der Ethnomedizin. in: Sein & Sinn, Burg & Mensch. Falko Daim(Hrsg). Niederösterreichisches Landesmuseum. St. Pölten. Seite 216ff
  • Armin Prinz 2004. Einführung in die Ethnomedizin. in: Grundlagen und Praxis komplementärmedizinischer Methoden. Michael Frass (Hrsg). Wiener Universitäts Verlag. Wien. Seite 55ff

Links:

Als Goddy gibt es hier den ersten Teil des erwähnten Videos über das Fest des Huhnes: ;-)

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One Response to “TA13 – Ethnomedizin”

  1. Armin Prinz erzählt unterhaltsam, fundiert und pointiert. Jedes Gschichtl birgt eine Erkenntnis. Hier ist ein Wissenschaftler, der sowohl die eigene wie fremde Kulturen nüchtern zu betrachten imstande zu sein scheint. Kann man sich auch mehr als einmal anhören.

     

    Martin Auer

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